Neue Übermalungen

In den meisten seiner neuen Übermalungen überdeckt André Kern das Motiv mit kräftigen, zeichenhaften Pinselhieben, die eine dickichtartige Struktur entstehen lassen, die das Motiv verbaut, versperrt, in es eingreift, aber zugleich Farben und Formen durchscheinen läßt, und neu ordnet. Das «Dickicht» kann für die Schwierigkeiten und Vielschichtigkeiten des Alltags stehen. Es überlagert die eindimensionalen, idyllisch anmutenden ursprünglichen Bildmotive und belebt sie durch eine neue Ebene. Es kann Hindernis aber zugleich auch Schutz vor den alltäglichen Herausforderungen sein. Bei anderen vorher flächig übermalten Werken hat er auf der freien Fläche neue Motive hinzugefügt, die mit den vorhandenen Bildern in Dialog treten. Neu sind dabei die lediglich mit weißer Eitempera gemalten Fleischhälften, die geisterhaft wirken und über das »real« gemalte Fleisch hinausweisen.

Neue Übermalungen

Übermalungen

Zur Zeit beschäftigt sich André Kern mit älteren Gemälden seines Werks, die seiner Ansicht nach nicht mehr im Kontext der aktuellen Arbeiten »bestehen« können. Diese übermalt er ganz oder teilweise und verarbeitet sie dadurch weiter. Getreu seines Mottos: »Nichts ist vergebens – Weitermachen!« und dem Bewußtsein, daß in der Malerei alles aufeinander aufbaut und daß kein Werk ohne die Vorhergehenden entstehen kann, entwickelt er so die Bilder weiter. Dabei läßt er oft die wichtigsten, zentralen Bildstellen frei. Es werden überflüssige Stellen verdeckt, dadurch entsteht im Sinne einer Fokussierung auf das Wesentliche ein neues Bild, das im Kontrast zu der warmgrauen flächigen Übermalung steht. Diese Fläche bietet gegebenenfalls wiederum Raum für ein neues Motiv, das mit dem vorhandenen Bild im Sinne der für André Kerns typischen Bildgegenüberstellungen in Verbindung treten kann.

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