KernKunst befindet sich in einer Straßenschlucht des Ölbergs in der Wuppertaler Nordstadt. Das Ladenlokal ist seit 2003 Atelier und Ausstellungsraum des Künstlers André Kern. Der Begriff »KernKunst« bezeichnet dabei auch sein Werk. Ihn motiviert das Bedürfnis, seine Bilder zu malen, von seiner Umgebung inspiriert zu werden, und wiederum mit den Menschen anhand der Bilder zu kommunizieren. Den Ölberg schätzt der Maler wegen der untergeordneten Bedeutung von Mode und Mainstream und seiner anregenden, zumeist lauschigen Atmosphäre. Bereichernd findet er zudem die Mischung von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Altersgruppen, Einkommens- und Bildungsschichten. Viermal im Jahr organisiert André Kern zusammen mit drei Mitstreitern den Ölberger Kunst- und Kulturmarkt, der sich durch seine besondere Atmosphäre auszeichnet.

Sein zweites Atelier befindet sich zwei Straßen weiter im Hinterhofgebäude einer ehemaligen Fabrik welches er sich mit zwei anderen Künstlern teit. Dort malt André Kern großformatigere Bilder. Haupttätigkeitsfeld ist die freie Malerei. Er erledigt zudem Auftragsgemälde und zeichnet Karikaturen auf Veranstaltungen. Sein Interesse gilt dem Menschen, was neben den Karikaturen auch die Aktzeichnungen ausdrücken. Dabei steht das Studium des menschlichen Körpers und das schnelle Erfassen von Proportionen und Räumlichkeit im Vordergrund. Dazu hat der Künstler jede Woche im Neuen Kunstverein in der Hofaue Gelegenheit, wo er eine Zeichengruppe organisiert, in der nach dem lebenden Modell Akt und Portrait gezeichnet wird.

Kern malt Serien in breit gefächerter stilistischer Bandbreite. Ausgehend von der altmeisterlichen Öllasurtechnik hin zu einer expressiveren Malweise mit deckenden Farbschichten. Vielfach kombiniert er Zitate aus der Kunstgeschichte mit Motiven aus anderen Kontexten, beispielsweise in der Reihe »Be yourself – Gemalte Collagen« von 2013. Ausgangspunkt für diese Collagen sind Werke berühmter Künstler, die durch zahlreiche Reproduktionen Eingang in unsere Alltagswelt gefunden haben. Angeregt durch seine Kochleidenschaft und auch als Statement gegen den »militanten Veganismus« befasst sich der Maler in seinen Werken immer wieder mit dem Thema »Fleisch«, das er dem Betrachter in immer neuen Bedeutungszusammenhängen vor Augen führt. So zum Beispiel mit Motiven der “alten Meister” und auch eigenen Wuppertalmotiven.

Zur Zeit beschäftigt sich André Kern mit älteren Gemälden seines Werks, die seiner Ansicht nach nicht mehr im Kontext der aktuellen Arbeiten »bestehen« können. Diese übermalt er ganz oder teilweise und verarbeitet sie dadurch weiter. Getreu seines Mottos: »Nichts ist vergebens – Weitermachen!« und dem Bewußtsein, daß in der Malerei alles aufeinander aufbaut und daß kein Werk ohne die Vorhergehenden entstehen kann, entwickelt er so die Bilder weiter. Dabei läßt er oft die wichtigsten, zentralen Bildstellen frei. Es entsteht der Eindruck, als schaue man durch ein Loch oder hinter einer Wand stehend auf das übrig gebliebene Motiv. Es werden überflüssige Stellen verdeckt, dadurch entsteht im Sinne einer Fokussierung auf das Wesentliche ein neues Bild, das im Kontrast zu der warmgrauen flächigen Übermalung steht. Diese Fläche bietet gegebenenfalls wiederum Raum für ein neues Motiv, das mit dem vorhandenen Bild im Sinne der für André Kerns typischen Bildgegenüberstellungen in Verbindung treten kann.

In den meisten seiner neuen Übermalungen überdeckt André Kern das Motiv mit kräftigen, zeichenhaften Pinselhieben, die eine dickichtartige Struktur entstehen lassen, die das Motiv verbaut, versperrt, in es eingreift, aber zugleich Farben und Formen durchscheinen läßt, und neu ordnet. Das «Dickicht» kann für die Schwierigkeiten und Vielschichtigkeiten des Alltags stehen. Es überlagert die eindimensionalen, idyllisch anmutenden ursprünglichen Bildmotive und belebt sie durch eine neue Ebene. Es kann Hindernis aber zugleich auch Schutz vor den alltäglichen Herausforderungen sein. Bei anderen vorher flächig übermalten Werken hat er auf der freien Fläche neue Motive hinzugefügt, die mit den vorhandenen Bildern in Dialog treten. Neu sind dabei die lediglich mit weißer Eitempera gemalten Fleischhälften, die geisterhaft wirken und über das »real« gemalte Fleisch hinausweisen.